Recursive Intelligence: Meine KI soll lernen
In meiner Arbeit als Markenstratege geht es selten um schnelle Antworten, sondern vielmehr um Nachdenken und “Synthetisieren”, also das Zusammenfassen von verschiedenen Informationen und Fakten zu einer neuen, einheitlichen Sache. Komplexe Markt- und Umfeldanalysen, scharfe Positionierungen und strategische Perspektivenwechsel entstehen nicht auf Knopfdruck in einer Prompt-Zeile. Sie erfordern kontinuierliches Hinterfragen, das Verknüpfen von branchenspezifischem Kontext und das schrittweise Schärfen von Argumenten.
In meiner Arbeit als Markenstratege geht es selten um schnelle Antworten, sondern vielmehr um Nachdenken und “Synthetisieren”, also das Zusammenfassen von verschiedenen Informationen und Fakten zu einer neuen, einheitlichen Sache. Komplexe Markt- und Umfeldanalysen, scharfe Positionierungen und strategische Perspektivenwechsel entstehen nicht auf Knopfdruck in einer Prompt-Zeile. Sie erfordern kontinuierliches Hinterfragen, das Verknüpfen von branchenspezifischem Kontext und das schrittweise Schärfen von Argumenten.
Wer diese strategische Denkarbeit in die geschlossene Chatbox eines einzelnen KI-Anbieters (ChatGPT, OpenAI) verlegt, baut sich das nächste Silo. Eine Browser-Oberfläche versteht keine gewachsenen Markenidentitäten, kann keine lokalen Datenbestände verknüpfen und behält kein Gedächtnis über komplexe Mandate hinweg. Jedes Mal, wenn ein neues Sprachmodell erscheint, beginnt dasselbe Spiel: Benchmarks vergleichen, Prompts anpassen, im Kreis drehen.
Für meine Strategiearbeit und meinen AI Stack favorisiere ich deshalb ein anderes Prinzip: Recursive Intelligence. Dieser Ansatz basiert auf fünf Prinzipien, die ich für wichtig erachte:
Anti-Lock-In: Das Wissen bleibt im eigenen System
Ein KI-Modell ist eine reine Zahlensammlung, kein Aufbewahrungsort für meine Arbeit. Hinzu kommt, dass du die Übersicht (und damit die Kontrolle) verlierst, sobald Notizen, Regeln und Arbeitskontexte in proprietären Plattformen gefangen sind.
Ein nachhaltiger "AI Stack", also die Sammlung von Software-Werkzeugen, trennt deshalb die Rechenleistung strikt von der eigenen Wissensbasis. Das Fundament liegt auf dem eigenen Rechner, etwa in einem lokalen Personal Knowledge Management (PKM), z. B. auf Markdown-Basis. Autonome Agenten greifen direkt darauf zu, arbeiten mit lokalen Dateien und nutzen die Werkzeuge im System. Welches Modell im Hintergrund rechnet, sollte so gebaut sein, dass es sich jederzeit austauschen lässt.
Datensouveränität & DSGVO: Volle Kontrolle über sensible Daten
Wer mit sensiblen Unternehmens- oder Kundendaten arbeitet, kann nicht jeden Kontext ("Your Secret Sauce"!) in beliebige Cloud-Prompts werfen. Nur die strikte Trennung von Daten und Modell schafft hier echte Datensouveränität.
Je nach Schutzbedarf der Daten wählst du das passende Modell. Sensible Informationen verbleiben im besten Fall lokal bei Open-Source-Modellen auf der eigenen Hardware oder laufen über europäische Cloud-Endpunkte mit Zero-Data-Retention und AVV. Unkritische Rechenaufgaben kann das jeweils leistungsfähigste globale Modell übernehmen. So bestimmst du, welche Daten das eigene System verlassen.
Prozesslogik: Das "Warum" konservieren
Kein Sprachmodell kennt von Haus aus die gewachsene Logik meiner Arbeit. Es weiß nicht, warum ein Prozess bei mir so abläuft und nicht anders.
Standardmodelle liefern lediglich Allgemeinwissen. Die eigentliche Differenzierung entsteht durch das Dokumentieren von Entscheidungsgründen. Ein funktionierender Stack speichert nicht nur Ergebnisse, sondern hält fest, warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden. Erst dadurch kann ein Agent, also ein KI-Programm, künftig im eigenen Sinne handeln.
Recursive Loops: Kontext verdichten im Alltag
Sprachmodelle verändern ihre Parameter im laufenden Betrieb nicht. Aber der Kontext lässt sich systematisch schärfen.
In der Praxis sieht das so aus: Du korrigierst ein Arbeitsergebnis. Das Feedback bleibt nicht im Chatfenster hängen, sondern fließt als strukturierte Regel zurück ins eigene System. Beim nächsten Durchlauf greift diese Regel automatisch. Aus einzelnen Korrekturen werden geschärfte Anweisungen, aus Anweisungen entstehen verlässliche Routinen.
Der Output von heute wird auf diesem Weg zum verdichteten Kontext von morgen. Und damit wächst die Qualität der eigenen Prozesskette.
IP-Wertschöpfung: Eigene Methoden kapitalisieren statt Fremdmodelle füttern
Generische KI-Modelle machen Standardwissen billig. Der eigentliche wirtschaftliche Wert liegt im eigenen proprietären Wissen, dem eigenen Framework und der eigenen spezifischen Methode.
Wenn du dein Intellectual Property (auf Deutsch "geistiges Eigentum", kurz IP) strukturiert im eigenen System verankerst, wird es von einer passiven Wissenssammlung zu einem skalierbaren "Betriebssystem". Die KI nutzt so die eigene Logik als Ausführungsschicht, statt das eigene Wissen in fremden Cloud-Silos zu verwässern. Auf diesem Weg kultivierst du dein geistiges Eigentum mit jeder Iteration und verwandelst gewachsene Erfahrung in kapitalisierbare Assets für Produkte, Mandate und Services.
Mein Setup in der Praxis
In meinem eigenen Alltag übersetze ich dieses Prinzip mit drei Bausteinen: Obsidian, Hermes Agent und Gemini.
Das Fundament bildet Obsidian. Sämtliche Notizen, Prozessregeln und Frameworks liegen als lokale Markdown-Dateien auf meinem Rechner. Keine proprietären Datenbanken, kein Cloud-Silo. Das Wissen gehört mir und bleibt zukunftssicher.
Als operative Ausführungsschicht dient Hermes Agent. Statt in isolierten Chatfenstern zu arbeiten, agiert ein lokaler, persistenter Agent direkt auf meinem Dateisystem. Er führt Skripte aus, nutzt gespeicherte Skills und baut über Sessions hinweg ein strukturiertes Systemgedächtnis auf.
Für die nötige Rechenleistung sorgt Gemini, angebunden über die kommerzielle Google Cloud API. Der direkte API-Zugriff unterscheidet sich grundlegend von normalen Verbraucher-Webinterfaces: Durch den kommerziellen Rahmenvertrag und Zero-Data-Retention-Garantien ist sichergestellt, dass keine Daten für das Training von Modellen verwendet werden. Das gewährleistet echten Mandantenschutz und DSGVO-Konformität bei maximaler Performance.
Fazit
Modelle kommen und gehen. Was bleibt und kontinuierlich an Wert gewinnt, ist das eigene kultivierte IP und die gewachsene Logik im eigenen System. Das Modell liefert die Rechenpower, die rekursive Schleife veredelt das Kapital.
Happy Birthday, LeSupra!
Ende 2006. Zwanzig Jahre ist das jetzt her. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass der »LeSupra« zwei Jahrzehnte später nicht nur immer noch lebt, sondern radikaler und kompromissloser ist als je zuvor, hätte ich wohl nur wehmütig gelächelt. Denn seien wir ehrlich: Die meisten dieser Umbauten sterben irgendwann einen stillen Tod in irgendeiner Scheune.
Ende 2006. Zwanzig Jahre ist das jetzt her. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass der »LeSupra« zwei Jahrzehnte später nicht nur immer noch lebt, sondern radikaler und kompromissloser ist als je zuvor, hätte ich wohl nur wehmütig gelächelt. Denn seien wir ehrlich: Die meisten dieser Umbauten sterben irgendwann einen stillen Tod in irgendeiner Scheune.
Über Umwege war mir 2005 ein 1972er Pontiac LeMans 2dr Sedan zugelaufen. Ein perfektes »Chromjuwelen«-Projekt. Der Wagen war optisch durch einen früheren Frontclip auf das Jahr 1970 frisiert, hatte einen müden Sechszylinder und war in einem mehr als bedauerlichen Zustand. Was uns aber nicht davon abhielt, damit erst einmal nach Västerås in Schweden zu einem Autotreffen zu fahren. Was der Reihensechser übrigens tadellos absolvierte: langsam zwar, aber dafür dank Cherry Bomb sehr lautstark.
Ungefähr zur gleichen Zeit debütierte “The Fast and the Furious: Tokyo Drift”. Für alle, die dieses Detail vielleicht verpasst haben: Der Protagonist fährt einen 1967 Ford Mustang Fastback mit dem auf Single-Turbo umgebauten RB26DETT-Motor aus einem Nissan Skyline GT-R (R32). Die fixe Idee, wir könnten ja auch einen Engine-Swap auf einen japanischen Antriebsstrang bei dem LeMans machen, wurde schneller Realität, als ich schalten konnte. Doch eine Idee ist das eine – die handwerkliche Realität das andere. Dass aus dem Projekt »LeSupra« am Ende keine hohle Marketing-Hülle wurde, sondern etwas mit echter Substanz, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Michael Wolf. Er ist der Schrauber, der das handwerkliche Können hatte, um aus Wahnwitz Realität zu machen.
Michael hatte in der Zwischenzeit längst einen 7M-GTE aus einer 1991er Supra gefunden und gekauft. Das war genau die Geschichte das Storytelling, das wir für die Chromjuwelen brauchten: Deutsche („German Engineering“) opfern ein (naja, fast) Muscle-Car für einen Nippon-Antrieb. Aus dem LeMans wird der »LeSupra«.
Der Aufschrei war vorprogrammiert – und kam prompt. Doch nachdem unsere US-Kollegen von Hemmings das Projekt heiliggesprochen hatten (vielen Dank, Dave!), wurde der Wagen in den Medien mit Respekt behandelt und die „Hot-Rodding-3.0“-Attitüde der Chromjuwelen offiziell gesetzt.
Was wir damals machten, geschah lange bevor es Begriffe wie Content Creator, Storytelling oder Influencer überhaupt gab. Da gab es keinen Redaktionsplan und kein Algorithmen-Tuning. Dafür gab es mehr als genug Leidenschaft, Lust auf neue Ideen und unseren Drang, Geschichten so zu erzählen, wie wir sie selbst am liebsten gelesen hätten.
Mit der Straßenzulassung 2009 wurde es ruhiger um den LeMans. Es folgten weitere Karosserieumbauten und Blecharbeiten (u. a. die nahtlose Integration der hinteren Stoßstange ins Heck) und schließlich zog der LeSupra wieder bei Michael ein. Denn Michael hatte noch eine Rechnung offen.
Einen weiteren Austauschmotor samt Innereien, diverse Kupplungen und etliche Fahrwerksmodifikationen später ist der LeSupra jetzt erwachsen geworden. Der Mad-Max-Endzeit-Aufzug ist einem echten Lackkleid gewichen, man kann die Fenster jetzt auch während der Fahrt öffnen (die Kurbeln schlagen nicht mehr am Überrollkäfig an) und die Benzinpumpe liefert selbst bei sportlicher Beschleunigung zuverlässig immer genug Treibstoff.
Zur genauen Leistung möge man sich bitte an den Erschaffer wenden. An dieser Stelle nur so viel: Der Wagen hat mehr als genug Reserven und es macht einen Mordsspaß, ihn zu fahren. Offiziell, auf der German Autobahn.
Mich macht es demütig, dass Michael dieses Auto mit so viel Herzblut zu Ende gebaut hat. Ich bin dankbar, dass das Projekt nicht zum Sterben irgendwo in einer Ecke steht.
Simon Gluckman: "These cars not driven, to me, is a crime."
So sieht Leidenschaft aus.
Tony Thacker und Simon Gluckman für MotorTrend.
1991 Mercedes-Benz 190 E 2.6 vs. Enshittification
“Enshittification” beschreibt den systematischen Qualitätsverfall von digitalen Diensten, Apps und Produkten, der durch Gewinnmaximierung statt Kundennutzen getrieben wird.
Quincy Sandbank erweitert jetzt den von Cory Doctorow etablierten Begriff auf moderne Produkte wie beispielsweise Autos. Was erschreckend gut funktioniert.
“Enshittification” beschreibt den systematischen Qualitätsverfall von digitalen Diensten, Apps und Produkten, der durch Gewinnmaximierung statt Kundennutzen getrieben wird.
Quincy Sandbank erweitert jetzt den von Cory Doctorow etablierten Begriff auf moderne Produkte wie beispielsweise Autos. Was erschreckend gut funktioniert.
Ein Grund mehr, den 1997 E38 weiter zu fahren.
Amble One: Electric, Modular, Street Legal
Erst kürzlich wurde ich bei einem Autotreffen Zeuge, wie ein Golf-Cart allen Klassikern die Show stahl. Egal wie hochpreisig, sammelwürdig oder selten – der Held war das Golfmobil.
Road Trip
Auf (diesem) Road Trip kann man auf Knopfdruck Autos regnen lassen. Falls man das immer schon mal wollte.
Auf (diesem) Road Trip kann man auf Knopfdruck Autos regnen lassen. Falls man das immer schon mal wollte.
Via Kraftfuttermischwerk.
Freude am Fahren, jetzt als Bauteil
BMW nennt den Hochleistungsrechner des neuen Elektro-M seit der Neuen Klasse „Heart of Joy". Der Name ist kein Zufall: „Freude am Fahren" ist seit Mitte der Sechziger BMWs Markenclaim. Was früher ein Gefühl war, ist jetzt eine Steuereinheit.
BMW nennt den Hochleistungsrechner des neuen Elektro-M seit der Neuen Klasse „Heart of Joy". Der Name ist kein Zufall: „Freude am Fahren" ist seit Mitte der Sechziger BMWs Markenclaim. Was früher ein Gefühl war, ist jetzt eine Steuereinheit.
Konkret: vier Elektromotoren, 800 Volt, über 100 kWh Akku als tragendes Strukturbauteil zwischen den Achsen. Das BMW M Concept Neue Klasse feiert seine Weltpremiere bei den 24 Stunden von Le Mans und gibt den Ausblick auf den kommenden Elektro-M3. Dazu Motorsport-Zitate überall: Trimaran-Frontschürze, Track Lights, gelbe „M Yellow Lights" als Anlehnung an den M Hybrid V8.
Via BMW.
